![]() |
Mario Stoll
Sebastian Miedtank über Mario Stoll: "Er vereint großes Fachwissen und eine effiziente Arbeitsweise. So wird aus seinen hohen Ansprüchen schnell Realität." |
![]() |
Sebastian Miedtank
Mario Stoll über Sebastian Miedtank: "Er ist der kreative Kopf der Firma. Je anspruchsvoller das Thema wird, desto mehr dreht er auf." |
![]() |
intelli-x
|
|
Interview mit Mario Stoll und Sebastian MiedtankWas fasziniert Sie so daran, Dinge benutzerfreundlich zu gestalten? Stoll: Einerseits treibt uns die pure Notwendigkeit, denn wir sind alle jeden Tag von Dingen umgeben, die uns das Leben eher erschweren als erleichtern. Dummerweise beziehen wir die daraus entstehenden Probleme allzu oft auf uns und denken „Oh, ich bin aber wieder blöd.“ In der Regel liegt das Problem bei der Gestaltung, nicht beim Nutzer. Und andererseits fasziniert uns die Möglichkeit, dass es tatsächlich besser geht. Ich muss mich beispielsweise nicht von einem Webshop, einer Ausschilderung auf dem Flughafen oder einem Automaten frustrieren lassen. Vieles könnte so viel einfacher funktionieren, mehr Freude bereiten, weniger Zeit kosten und sich damit aus Sicht der Hersteller viel besser verkaufen. |
„Vieles könnte so viel einfacher funktionieren, mehr Freude bereiten, weniger Zeit kosten und sich damit aus Sicht der Hersteller viel besser verkaufen." |
|||
| Das heißt, Sie sehen ein großes Potenzial für mehr Benutzerfreundlichkeit? Stoll: Selbstverständlich. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es doch völlig irrational, wenn Unternehmen immer wieder fürchterliche Handys, Kameras oder Navigationssysteme auf den Markt bringen. Sobald die Kunden nicht mehr nur die Auswahl zwischen Pest und Cholera haben, sondern benutzerfreundliche Alternativen, werden die Unternehmen die Macht der Kunden zu spüren bekommen. Einzelne Beispiele zeigen, dass es genau so funktioniert. Miedtank: Gerade bei Software, Telefonen oder Heimelektronik ist es in den letzten 20 Jahren zu einem unglaublichen Funktionszuwachs gekommen. Vieles davon sind wunderbare Ideen und technische Meisterleistungen, deren Entwicklung unglaublich viel Geld kostet. Es ist ein immer schneller werdender Wettlauf um immer mehr vermeintlich benötigte Features. Doch wie sieht die Realität aus? Mit steigender Komplexität der Produkte nutzen die Endkunden oft immer weniger diese neuen Möglichkeiten und Funktionen, weil sie diese weder finden noch verstehen und oft gar nicht benötigen. Es werden also aus Marketinggründen Features für viel Geld implementiert, die kaum jemand nachfragt und die Benutzerfreundlichkeit leidet darunter. Gleichzeitig besitzen wir immer mehr dieser Produkte und jedes Produkt erfordert einen Lernaufwand. Bei betrieblich genutzter Software ist das ein enormer Kostenfaktor. Dabei soll uns die neue Technik doch das Leben erleichtern. Das Bedürfnis nach Einfachheit wird massiv unterschätzt. Darin liegt ein wirkliches Potenzial im Wettbewerb um den Kunden. |
"Aus wirtschaftlicher Sicht ist es doch völlig irrational, wenn Unternehmen immer wieder fürchterliche Handys, Kameras oder Navigationssysteme auf den Markt bringen." "Das Bedürfnis nach Einfachheit wird massiv unterschätzt. Darin liegt ein wirkliches Potenzial im Wettbewerb um den Kunden." |
|||
| Die Hersteller werben täglich damit, dass die neue Technik unser Leben vereinfachen wird. Was läuft in der Umsetzung falsch? Stoll: Man kann Benutzerfreundlichkeit nicht herbeireden, auch wenn sich viele Unternehmen darum bemühen. Den Kunden und damit auch den Unternehmen wäre wirklich mehr geholfen, wenn ein Bruchteil des Marketingbudgets in Leistungen investiert wird, wie wir sie anbieten. Hier ist ein Umdenken zu empfehlen. |
"Man kann Benutzerfreundlichkeit nicht herbeireden, auch wenn sich viele Unternehmen darum bemühen." |
|||
| Worin liegt die größte Herausforderung bei der benutzerfreundlichen Gestaltung? Miedtank: Sie liegt einzig in der tatsächlichen Bereitschaft der Hersteller, es wirklich zu tun und nicht nur zu sagen. Alles andere ist machbar. |
||||
| Wie sind Sie zu dem Thema Benutzerfreundlichkeit gekommen? Stoll: Die Initialzündung, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, hatte ich während meines Ingenieurstudiums Mitte der 90er Jahre. Ich arbeitete an einer Software für Energieversorger mit, interessierte mich weniger für den Code als vielmehr für die Interaktionen der Nutzer mit dieser Software. Denn diese waren nicht so, wie die Entwickler sie sich vorstellten und ich analysierte die Gründe dafür. Nach dem Ingenieurstudium arbeitete ich unter anderem als Projektleiter für ein sogenanntes Management-Informations-System. Gleichzeitig merkte ich, dass die Mittel eines Ingenieurs oder Informatikers allein nicht ausreichen, um Dinge wirklich benutzerfreundlich zu gestalten, denn dazu muss man verstehen, wie ein Mensch wahrnimmt, denkt, lernt usw. Fasziniert von der Thematik entschied ich mich zu einem Zweitstudium, studierte Psychologie und fand die Antworten, nach denen ich gesucht hatte. Einige konnten damals nicht verstehen, dass ich meinen Anzug in den Schrank hing, mich erneut in den Hörsaal setzte und daran auch noch Freude hatte. Aber die Leidenschaft für das Thema trieb mich an und es war die bislang beste berufliche Entscheidung meines Lebens. Denn ich muss mich nun bei der Gestaltung nicht mehr auf mein Bauchgefühl oder oberflächliche Rezepte verlassen, sondern kann auf ein umfangreiches Analyse- und Gestaltungswissen zurückgreifen. Außerdem ist die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, also die Sicht des späteren Nutzers einzunehmen, ein wesentliches Handwerkszeug von Psychologen. Miedtank: Meinen ersten Kontakt mit benutzerfreundlicher Gestaltung hatte ich auch bereits Mitte der 90er Jahre während meines Studiums der Medientechnik. Wir beschäftigten uns unter anderem mit der Gestaltung von Interaktionen innerhalb der damals aufkommenden neuen Medien wie Internet oder interaktiver multimedialer Software. An den Grundlagen benutzerfreundlicher Gestaltung hat sich nichts geändert: Der spätere Nutzer steht im Mittelpunkt. Nach Jahren in der aktiven Entwicklung und Gestaltung von Produkten und Informationen konzentriere ich mich jetzt ausschließlich auf deren benutzerfreundliche Gestaltung. Dadurch kenne ich auch die Abläufe bei der Entwicklung sowie die damit verbundenen Zwänge und weiß, wie man die häufig vorhandenen Fallstricke umgehen kann, um sowohl die technische Umsetzung als auch deren benutzerfreundliche Gestaltung zum Erfolg zu führen. Hier kommt es neben methodischer Kompetenz, Fachwissen und praktischer Erfahrung vor allem auf Kreativität an, um wirkliche Verbesserungen zu erreichen und unseren Kunden einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Stoll: Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto sensibler und intoleranter wird man allerdings gegenüber schlechter Gestaltung, weil diese nahezu gesetzmäßig zu fehlerhaften und frustrierenden Interaktionen führt. |
"Hier kommt es neben methodischer Kompetenz, Fachwissen und praktischer Erfahrung vor allem auf Kreativität an, um wirkliche Verbesserungen zu erreichen und unseren Kunden einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen." |
|||
| Welche Folgen hat das für Sie im Alltag? Miedtank: Oh, ich glaube, inzwischen haben wir beide das Freakstadium erreicht. Vor uns ist kaum etwas sicher, egal ob es sich um eine Speisekarte oder eine Straßenbahn handelt. Ein Beispiel: Letztens kamen wir an einem Kassenautomaten vorbei, an dem man das Parkticket bezahlt. Wir analysierten all die Gestaltungsfehler, sagten mögliche Fehler bei der Interaktion voraus, stellten uns ein wenig entfernt hin und beobachteten die Leute. Es war erschreckend und faszinierend zugleich, wie treffsicher unsere Vorhersagen waren. Die Leute tappten nahezu gesetzmäßig in Fehler hinein. Warum müssen tagtäglich Leute Frust erleben, weil man einmal bei der Gestaltung nicht richtig mitgedacht hat? Stoll: Auch meine Kaufentscheidungen werden dadurch stark beeinflusst. Dennoch ist Frust oft unvermeidlich. Beispielsweise kaufte ich mir 2009 eine Kamera und achtete sehr auf deren benutzerfreundliche Gestaltung. Als Handbuch bekam ich allerdings eine 215-seitige PDF-Datei dazu. Wie stellt sich der Hersteller das vor? Soll ich 215 Seiten am Computer auswendig lernen, mir über lange Zeit merken und mich bei der Suche nach einer Funktion im entscheidenden Moment auf einem Berg im Urlaub doch nicht daran erinnern? Und brauche ich wirklich 215 Seiten Handbuch, um ein bisschen zu fotografieren? Hier wurde bestimmt viel Geld für technische Redakteure ausgegeben, aber psychologische Aspekte wie Lernen, Erinnern bzw. Vergessen sowie die Handhabung im Anwendungskontext wurden dabei komplett missachtet. |
"Ich glaube, inzwischen haben wir beide das Freakstadium erreicht." "Warum müssen tagtäglich Leute Frust erleben, weil man einmal bei der Gestaltung nicht richtig mitgedacht hat?" |
|||
| Was wünschen Sie sich von Ihren Kunden und Geschäftspartnern? Stoll: Wir wünschen uns von ihnen eine höhere Sensibilität für das Thema und dass sie dessen wirtschaftliches Potenzial entdecken. Dazu muss man auch mal über den nächsten Quartalsbericht hinausdenken und die riesige Chance interdisziplinärer Arbeit fruchtbar nutzen. Miedtank: Eine vorurteilsfreie Offenheit für bestimmte Vorgehensweisen ist ausgesprochen hilfreich, um gemeinsam Erfolg zu haben. Und oft ist dieser sogar größer als erhofft. |
"Dazu muss man auch mal über den nächsten Quartalsbericht hinausdenken und die riesige Chance interdisziplinärer Arbeit fruchtbar nutzen.“ |



